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Sonntag, 31. Mai 2015

#93 - Menschliche Inkompatibilität

Und dann waren sie da, die Sonntag-Vormittag-Gedanken. 

Das Schlimmste von allem, was passiert ist, war nicht mal,

dass Schluss war mit der Liebe
dass ich mein Beelzebebi alleine großziehe
dass ich gezwungen wurde zur Abtreibung
dass ich bedroht wurde
dass ich beschimpft wurde
dass ich alleine schwanger war
dass ich mein Leben riskiert habe
dass es keinen Kontakt mehr gibt zu Beelzebebi's Vater

Noch viel schlimmer als dies alles zusammen war,
dass meine Mutter nicht für mich da war.
Das tritt aktuell mit der Krankheit meiner Mutter zutage,
und der Tatsache, dass ich für sie da bin.
Aber das Schlimmste ist,
dass der Mensch, den ich einen Vertrauten nannte (nicht der Vater vom Bebi),
mich nach Strich und Faden verarscht hat.
Das hat mich kaputt gemacht.

Unterm Strich bin ich alleine mit zwei Kindern. Bisweilen recht anstrengend, aber ... .
Es bringt mich nicht um.
Das, was ich von meinen Kindern dafür zurück bekomme, wiegt den Stress und den Schmerz über das Geschehene unendlich auf.

Dennoch.
Nach allem, was passiert ist, werde ich so schnell nicht wieder einem Menschen vertrauen
können.
Vertrauen wollen.
Nach allem, was passiert ist, kann ich nicht mehr riskieren, kaputt zu gehen.


So bitte, nach langer Zeit einmal wieder ein Beitrag für den Blogideenkasten.

Samstag, 14. Februar 2015

Der Duft der Freiheit

Diesmal soll es beim Blogideenkasten also um "Düfte" gehen. Ickemich hat schon zu diesem Thema geschrieben.

Ja doch, was Gerüche angeht, bin ich ein recht 'empfindlicher' Mensch, ich habe eine feine Nase. Die wurde mir besonders zum Verhängnis, als ich aus Mexico nach Deutschland zog. In Mexiko stinkt es nicht in öffentlichen Verkehrsmitteln. Kein Schweiß. Kein anfallartiger Fluchtreflex, der einsetzt, sobald man die Metro betritt, oder mit einem pesero fährt. Umso mehr traf mich der Schlag, als ich - zurück in Deutschland - auf einmal Bus und U-Bahn zu benutzen hatte. Doch darum soll es in diesem Text nicht gehen ... .

1958 von Fritz Bühler für die Zigarettenmarke Peter Stuyvesant kreiert, entwickelte sich der Ausspruch "Der Duft der großen weiten Welt" zum geflügelten Wort. Nun habe ich in meinem Leben, alle Zigaretten zusammengezählt, noch nicht mal eine einzige Schachtel geraucht, so verbinde ich 'Düfte' seit jeher mit besagter 'großen, weiten Welt'. Angefangen bei Kochsessions in unserer japanischen WG in Mexico, über die Küche meiner Grandma in Chicago, der Geruch bei Ghiradelli in San Francisco - das ist der Duft der großen, weiten Welt für mich. Die Gerüche von Flughäfen, Kerosin, Benzin, aber auch die große alte Dampflok, mit der wir als Kinder so oft fuhren ... was einem eben so an Gerüchen unter die Nase kommt, wenn man sich aufmacht, eine Reise zu tun.

Wenn man dann angekommen ist, in der großen, weiten Welt, riecht man den Duft der 1001 food stalls in Mexico, an denen frische tamales verkauft werden, tacos und und und. Kommt man hingegen nach Nepal, riecht man Räucherstäbchen an jeder Ecke, weil in Nepal eben an jeder Ecke ein Tempel oder ein Schrein steht, und an jedem Tempel und an jedem Schrein Räucherstäbchen abgebrannt werden. Kathmandu ist angeblich eine dreckige Stadt (ich persönlich empfinde Guatemala Stadt als die dreckigste, hässlichste Stadt der Welt - ever!!!), aber sie riecht nach Räucherstäbchen. Und nach Gewürzen. Vielen Gewürzen.

Warst du jemals in Hamburg, lieber Leser? Dann weißt du, wie sie riecht, die große, weite Welt: Containerschiffe, Elbe, Köhlbrandbrücke, Elbtunnel, Speicherstadt, Wasser, viel Wasser - Der Duft der großen, weiten Welt auf den Punkt gebracht!

Sonntag, 25. Januar 2015

Es war einmal ......

"Panta rhei"
Alles fließt, 
weshalb man nicht zweimal in denselben Fluss steigen kann.
~ Heraklit ~


Das Thema "Loslassen" zieht sich durch das Leben wie ein roter Faden. Nun als neues Stichwort im Blogideenkasten. Leben ist die permanente Veränderung, Beständigkeit eher die Ausnahme.

"Reisende soll man ziehen lassen", "Wer loslässt hat die Hände frei", "Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne" - da hat Platon, der den Ausspruch Heraklit's in seinem Aphorismus knapp zusammenfasste, einen regelrechten Trendsport geschaffen - Wer am meisten loslässt, gewinnt - ??

Die 27 Jahre, bevor ich sesshaft wurde, lebte ich auf drei verschiedenen Kontinenten, in fünf verschiedenen Ländern, die unterschiedlicher nicht sein können. Eines davon zählt laut Human Development Index zu den mit Abstand reichsten Ländern, zwei rangieren am untersten Ende. Dabei habe ich von klein auf die verschiedenen Arten des Loslassen kennen und zu verinnerlichen gelernt:

Loslassen - Abschied nehmen von geliebten, wichtigen Menschen
Loslassen - von Freunden und solchen, die es hätten werden können
Loslassen - mit Gewohntem aufhören, um Platz für Neues zu schaffen
Loslassen - schlechter Gewohnheiten
Loslassen - Besitztum
Loslassen - andere Kontakte
Loslassen - Schuld
Loslassen - Vergangenheit
Loslassen - überholte Lebensentwürfe

Seitdem ich richtig sesshaft geworden bin, vor sechs Jahren also, hat sich zu den Erinnerungsstücken an verschiedene Menschen in verschiedenen Lebensabschnitten auf verschiedenen Kontinenten Zeug angesammelt. Viel Zeug. Nicht zuletzt habe ich dieses Haus gekauft in der Hoffnung auf etwas Dauerhaftes. Ein Haus bauen steht - zumindest in Deutschland - für Beständigkeit. Beständigkeit schien mir erstrebenswert. Doch was bringt - mir - diese - materielle - Beständigkeit? In all den Jahren habe ich gelernt, dass die Beständigkeit weniger durch äußere Faktoren geschaffen werden kann - oberflächlich, ja -, dass wahre Beständigkeit aber bedeutet, mit sich selbst im Reinen zu sein, gut bei sich zu sein, eine innere Balance gefunden zu haben.

Vor vier Jahren, da war ich gerade einmal zwei Jahre im Lande, überkam mich dann ein Anfall von Tabula Rasa. Der immernoch anhält. Festhalten schränkt mich massiv ein. All die ganzen Gegenstände, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben, bewirken zwar, dass ich meinen inzwischen KinderN ein schönes Lebensumfeld geschaffen habe. Mir persönlich nehmen nicht alle, aber viele davon doch die Freiheit, binden mich fest, engen mich ein. Will ich das?! So kann man das auch auf Beziehungen zu Mitmenschen übertragen ... . Sollte man wirklich jedes Mal aufs Neue wieder Bindungen zu Menschen einzugehen, die man dann (aufgrund von räumlichen Veränderungen oder Krankheiten) nur wieder lösen muss und diesen Trennungsschmerz riskieren? Viele dieser Beziehungen (nicht im Sinne von Liebe), die ich eingegangen bin, haben das Loslassen nicht überdauert - weil sie vielleicht auch gar nicht dafür ausgelegt waren, weiter zu bestehen. Weil es gut ist, dass sie da waren für die Zeit, die sie mich begleitet haben, aber Platz geschaffen haben, dass ich an neuen Orten neue Bindungen eingehen konnte. Überdurchschnittlich viele mir wichtige Bezugspersonen sind schon früh in meinem Leben durch Krankheiten gegangen. Was aber allen gemeinsam ist, ist die Tatsache, dass die wirklich wichtigen Bindungen überdauert haben - trotz Loslassen.

Als mich diese Erkenntnis traf wie den Twitterer das Tageslicht (....), beschloss ich, Schluss zu machen! Mit dem Festhalten! Und wieder anzufangen mit dem Loslassen! In verschiedenen Kartons lagen Liebesbriefe von früher, von ganz früher, halbwegs aktuelle ... weg damit! Und all die vielen Fotos von überall! Postkarten. Kleidung. Zeug. Weg! Was blieb, war ein kleiner Karton (tatsächlich) mit den allerwichtigsten. Fotos. Briefen. Postkarten. Und immernoch arbeite ich daran, meinen Besitz zu minimieren. Unvorstellbar wie viele Jahr(zehnt)e meines Lebens ich aus einem einzigen großen Reiserucksack, und einer Tasche fürs Handgepäck leben konnte ... .

Mag sein, dass etwas festzuhalten oft viel leichter erscheint. Da weiß man wenigstens, was man hat, kann weiter seines Weges gehen, kann die unweigerlichen Turbulenzen im Rahmen halten. Warum also loslassen, wenn ungewiss ist, wie tief ich fallen werde?

Hoffnung ist für mich die Kraft, die meine Zukunft möglich macht!

Loslassen ebnet den Weg für Veränderungen.
Mit der Veränderung leben.
An der Veränderung wachsen.

Wenn der Wind der Veränderung weht,
bauen die einen Mauern
und die anderen Windmühlen.

Chinesisches Sprichwort

Loslassen. 
Endgültig.

Donnerstag, 15. Januar 2015

Blogideenkasten: Helden und Vorbilder

Projekte starten kann ich gut, also habe ich mir gedacht, mache ich doch einfach mal auch noch beim Blogideenkasten mit. "Stichwortbloggen" - Lustige Idee von Delanji (da habe ich's halt aufgeschnappt). So genau blicke ich noch nicht durch - wer ist alles dabei? Warum? Und weshalb? Und wie läuft's?

Erstes Thema für mich - 

"Helden und Vorbilder"

"Lustig", dachte ich so bei mir. Helden und Vorbilder sind bei jungen Menschen ja oft massentauglich. Alle, die auf diesen oder jenen Helden stehen, sind "drin". Ene mene muh und raus bist du - wenn du eben auf diesen oder jenen Helden nicht stehst. Wenn du beispielsweise wie ich in verschiedenen Kulturen groß geworden bist, die mehr oder weniger häufig wechseln, dann nimmt man für sich selbst von überall her, was einem am Stimmigsten erscheint. Wenn die Kinder in Deutschland aber weder Cepillín noch Los Lunnis kennen, die Kinder in den USA aber nix mit Wickie anfangen können, wird man schnell ein bisschen zum Außenseiter.

Helden meiner Kindheit und Jugend? Mit Sicherheit Cepillín, el Chavo del Ocho, später ging Grandma dann mit mir in den music store, und ich kaufte meine allererste Musikkassette: "Step by Step" von den New Kids On The Block, die Guys Next Door, Marky Mark, aber auch Pete Sampras (kennt den noch wer?!) und gleich im Anschluss Guns 'n Roses. Zurück in Deutschland himmelten meine Klassenkameradinnen Boyzone entgegen und den Backstreet Boys, zeitgleich gab ich mein gesamtes Taschengeld während eines Urlaubes in Mailand für einen schwarzen Mantel und eine Sonnenbrille aus, und fand mein Gefallen an einem schicken Italiener: Eros Ramazotti. Neben besagten, gab es noch viele weitere, allen voran Leningrad Cowboys. Naja, und dann ging's mit Punk los ... . 
Meine Vorbilder hingegen fand ich in Pancho Villa, Emiliano Zapata, Che Guevara, Martin Luther King, Malcolm X, Mahatma Ghandi, aber auch Sophie Scholl und Menschen aus meinem näheren und weiteren Umfeld - Hauptsache 'etwas bewegen', etwas verändern, und dazu ein bisschen Krawall dazu, aufmerksamkeitserregend.

Der Bub brachte es vorhin auf den Punkt - wie auch die Themen des #fotoprojekt2015 nahm ich auch "Helden und Vorbilder" als Gesprächsanlass mit ihm. Menschen, die anderen Menschen Leben retten, sich in Gefahr begeben, um anderen zu helfen - für ihn Unerreichbare - sind seine Helden. Die Seenotrettung sei "ein Heldenverein", genauso wie Bergwacht, Wasserwacht und Co. Vorbilder sind für ihn der Lehrer von der Theater-AG, sein Gitarrenlehrer, und der Fußballtrainer, nicht nur für das, was sie in ihrem jeweiligen Hobby können, sondern auch wie sie mit anderen Menschen umgehen - Menschen, die etwas für ihn Erstrebenswertes machen, das er selbst lernen kann.

Ja natürlich liegen zwischen der Zeit, als ich diverse Helden 'anhimmelte' und jetzt viele Jahre und Jahrzehnte, klar bin ich jetzt ein großes Mädchen, reifer, erwachsener (?? - hahaha) ... dennoch bin ich vielen von ihnen auch heute noch 'zugewandt', erinnern sie mich doch an so manchen schönen Moment in meiner Kindheit und Jugend, oder half mir die Tatsache, sie angehimmelt zu haben, über so manche schwere Zeit hinweg.