Montag, 14. April 2014

Destination Bangor, Maine

Was soll ich sagen zu diesem Tag?!
Was kann ich noch sagen?
Kann man dies alles in Worte fassen?!
Viel. Sehr viel Denkstoff.

Heute Morgen vor Eintreffen der Handwerker eine würdige Schlüsselübergabe.
Mir diese Zeit genommen zu haben, war so wichtig.
Das Alte abschließen, bevor man sich wahrhaftig für das Neue öffnen kann.

Der Schritt in Richtung ,neues Leben' fiel leicht.
Mit nichts als einem Rucksack voll von Habseligkeiten auf dem Rücken diesen besonderen Schritt wagen - kein Problem.
Mich dem Neuen, dem Unbekannten stellen - bitte, gerne doch! Immer.

Da wäre noch viel zu schreiben.
Erst mal sortieren.

Tschüs, Labyrinth!

Sonntag, 13. April 2014

Freudentränen

Mein Bebi spüren ...
Was kann es im Augenblick Schöneres geben?
Lange hat es gebraucht, bis ich mich wirklich freuen konnte.
Lange ist es her, als sie mich zum ersten Mal getreten hat.
Lange ist es auch schon wieder her, dass ich die Ruhe hatte, sie bewusst zu spüren.
So wie heute.

Aus dem Irrgarten hinaus

Auf der Dachterrasse
Wunden sind zur Genüge geleckt
die letzten Tage, Woche, Monate, Jahre rekapitulieren

Ab und an verdeckt eine Wolke die Sonne - wie im richtigen Leben.

Als Kind hat meine Mutter mich des Öfteren mit verschiedenen Organisationen in diverse Ferienlager quer durch die Republik geschickt, von Deggingen bis Schönberg an der Ostsee, aber auch nach Holland. Immer mit Kindern, die ich noch nie zuvor im Leben gesehen hatte. Auf einer dieser Reisen machten wir Station bei einem Labyrinth aus meterhohen Hecken. In der Mitte ein Aussichtsturm. Wenn man den Ausgang gefunden hatte, gab's Eis. Ich erinnere mich oft daran zurück. Die letzten Jahre scheine ich wie in diesem Irrgarten gefangen gewesen zu sein, ohne mich wirklich gefangen gefühlt zu haben. Sehr weit von mir selbst weg jedenfalls.

Nun habe ich also, was ich nie im Leben für möglich gehalten hätte, geschafft, die Koffer für unsere Reise nach Hause zu packen. Nicht alles einfach rein, sondern perfekt, wie zu alten Backpacker-Zeiten. Ich habe viele wunderschöne Jahre nur aus einem Trekking-Rucksack mittleren Ausmaßes gelebt. Nie mehr gebraucht als das, was dahinein und in eine kleine Handtasche passte. Als ich komplett ausgeraubt wurde, gelernt, dass man faktisch wirklich nicht mehr braucht als das, was in eben jenen Rucksack passt. Im Gegenteil: mit einem Mal war ich frei. Frei, zu gehen, wohin auch immer mein Herz mich trug. Und es trug mich straight back to the roots. Klar.

Ich erinnere mich an eine Bank aus Stein im barocken Stil, die noch im Irrgarten stand, allerdings konnte man von dort aus schon den Ausgang sehen. Auf dieser Bank sitze ich gerade in der wärmenden Sonne. Einen Rucksack für mich, einen für Beelze-Sohn unter der Bank. Denke darüber nach, was war. Ohne Wehmut. Ohne Wut. Ohne Trauer. Alles ist gut, wie es ist. Morgen brauche ich nur noch diesen einen Schritt hinaus gehen.

Zu Hause waren wir lange nicht gewesen. Vielleicht hatten wir nie wirklich ein Zuhause. Morgen geht die Reise los. Ein bisschen fühle ich mich wie E.T. Nach Hause ... große Worte.
Die Frage ist aber, und bleibt: brauchen wir wirklich ein Zuhause im herkömmlichen Sinn?
Ist ein Haus aus Stein, das, was wir wirklich brauchen?
Oder brauchen wir die Freiheit?
Gehen, wenn uns danach ist?
Bleiben, solange wir uns gut fühlen?

Auf gepackten Koffern

Unsere Reise vollzieht sich mehr mental als sonst was. Nach außen sieht man 'nur' neue Fußböden im Haus. Aber für meinen Sohn und mich ist es der Startschuss in eine neue Zukunft. Die letzten Monate und Jahre ging es bei Beelze-Sohn und mir in jeder Hinsicht sehr turbulent zu. Nicht nur der Auszug des Beelze-Mannes letztes Jahr. Das alles gipfelte im November/Dezember mit meiner Schwangerschaft, und den damit verbundenen Umständen - der Trennung vom Beelze-Ex und den damit verbundenen Horror-Umständen.

Die letzten Monate, Wochen und Tage habe ich geschuftet wie ein Ackergaul, weil mir bewusst wurde, wie weit ich mich von dem entfernt hatte, was mich selbst ausmacht. Durch die Schufterei habe ich die Voraussetzungen dafür geschaffen, wieder die zu sein, die ich bin. Bei Weitem nicht perfekt, aber mit mir selbst im Reinen. Die, die weiß, was für uns gut ist. Ich weiß zwar nicht genau, was da alles auf mich zukommt. Aber es macht mir keine Angst, weil es die Konsequenzen aus MEINEN Entscheidungen sind. Zu denen stehe ich. Immer. Egal, wie abwegig andere Menschen meine Entscheidungen finden.

Die Gespräche, die Beelzesohn und ich führen, sind sehr ... tief. Nicht das, was man von einem 7-Jährigen erwartet. Aber die Tatsache, dass er sich mir in dieser Weise öffnet, spiegelt unser sehr enges Verhältnis wider. Auch er hat einen entscheidenden Teil dazu beigetragen, dass wir sowohl mentalen als auch gewaltige Mengen tatsächlichen Ballast abwerfen konnten.

So hat auch er einen großen Anteil an allem, was wir erreicht haben, um - ab morgen - in unser neues Leben zu starten. Es sind 'nur' die Böden, Äußerlich. Aber wir haben so viel alten Krempel entsorgt. Er hat unterm Strich nicht mehr wirklich viel Spielzeug. Seine Entscheidung. Kleiner Minimalist. Von manchen Dingen haben wir uns schnell getrennt, bei manchen brauchte es eine Art 'Prozess'. Das alles haben wir jetzt abgeschlossen.

Am Freitag hat Beelze-Oma ihn zu sich geholt, morgen rücken die Handwerker an. Wenn die Böden drin sind, wollen wir nur die nötigsten Sachen wieder heraus holen, erst mal die dann entstandene Leere genießen. Und dann Stück für Stück einrichten mit nur den Dingen, die wir wirklich brauchen, Babyzimmer einrichten ... . Das habe ich gestern eigenhändig 6 Stunden lang gestrichen (großes Zimmer). Und dann darf Beelze-Bebi kommen. Gar kein Schritt für die Menschheit, ein riesengroßer für uns - ein neues Leben eben.

Heute dann noch 'letzte Reste' erledigen, kleine Aufräumarbeiten. Ich sitze am Ausgang eines Labyrinths, durch das ich jahrelang geirrt bin, auf einer Bank in der Sonne, lasse die letzten Jahre Revue passieren, und muss morgen nur noch diesen einen Schritt hinaus gehen. :)

Heute morgen wurde mir denn auch bewusst, welchen Namen ich meiner Tochter geben soll. Damit schlage ich mir selbst Wurzeln, die so lange gefehlt haben. Eigentlich Eltern-Aufgabe - Wurzelpflege.

Schönen Sonntag und viele liebe Grüße,

Die Beelze

Freitag, 11. April 2014

Die Zukunft beginnt jetzt!

Bei uns geht's zur Zeit ja mehr oder weniger turbulent zu. "Zur Zeit" ist, wie ich feststellen muss, ein sehr dehnbarer Begriff. Wie dem auch sei ... . Bevor am Horizont langsam aber sicher das Ende in Sicht kommt, nähern wir uns mit ganz großen Schritten dem vorläufigen Höhepunkt. Heute Abend fliegt Beelzesohn ab, ich muss hier noch Restarbeiten erledigen am Wochenende, dann kann ich auch endlich einchecken, und ihm hinterher fliegen.

Gestern Nachmittag hat er selbständig sämtliche seiner Spielsachen in Umzugskartons gepackt, und sein Zimmer ausgeräumt, am Wochenende erledige ich den Rest, dann starten wir in unser neues Leben. Letzte Nacht schlief er das letzte Mal in unserem alten Leben, heute fliegt er ab. Er darf für ein paar Tage zur Oma. Danach gehen wir endlich 'nach Hause', in unser neues Leben. Wir waren so lange nicht 'daheim'. Ihm wird auch so langsam bewusst, dass die Bauchmaus bald nicht mehr nur in meinem Bauch ist, sondern wir schon nächste Woche ihr Zimmer einrichten.

Gestern Abend haben wir mal mit allen möglichen Namenskombinationen geübt, wie es sich anhört, sie zu "schimpfen". Muss man ja auch mal testen .... . Dabei schieden dann ein paar Namen von alleine aus .... . War jedenfalls lustig, Sohnemann lag vor lachen unterm Tisch. Wobei wir den zweiten Vornamen nicht nur zum Schimpfen nehmen, dazu isser zu schön. Bleiben zwei Namenskombinationen übrig. Was es dann letztendlich wird - mal sehen, ist ja noch bisschen Zeit.

Jetzt erst mal "put your seats in upright position" .... "getting ready for take-off" "10, 9, ... " 

Und danach wird's Zeit für endlich ein bisschen Ruhe. Habe die Bauchmaus die letzten Tage kaum gespürt - Kunststück, bei dem vielen Gerenne wird sie die ganze Zeit gepennt haben.