Dienstag, 21. Juli 2015

A Ti Llegué

Zaunpfähle winken.
Und winken.
Und winken.

Vielleicht sollte man einfach mal zurück winken.



Montag, 20. Juli 2015

Urlaubsreif

Tensa, ich? Nennen wir es 'urlaubsreif'.

San Francisco, 3.30 Uhr
Mexico City, 5.30 Uhr
Berlin, 12.30 Uhr

Montag fast schon gegessen ... . Im wahrsten Sinn des Wortes.
Diese Woche auf dem Speiseplan:

Montag: Pizza
Dienstag: Germknödel mit Vanillesauce
Mittwoch: Gemüsesuppe mit Grießklößchen
Donnerstag: Apfelküchlein

Vielleicht sehe ich das zu eng, weil ich urlaubsreif bin, vielleicht habe ich aber auch recht ... was mir in meiner Arbeit auffällt ist, dass immer mehr Kinder zu kleinen Erwachsenen mutieren. Müssen. Um als Ersatzpartner zu fungieren oder als Freunde. Ich beginne morgens um 8 Uhr mit der Arbeit. Dann erzählen mir die ersten Eltern, von ihrem aufregenden Wochenende, dass die knapp 2-Jährige bis 22 Uhr aufbleiben wollte - und wenn sie auf dem Tisch tanzen möchte. Möchte?! 
Ja klar, ich frage meine Kinder jetzt auch, wann sie schlafen gehen wollen. Und "na, Bub, magst du heute in die Schule gehen?" Im Ergebnis machten wir heute einen Ausflug, von dem sage und schreibe ein einziges Kind etwas mitgekriegt hat, weil die anderen Kinder auf dem Weg dahin schon eingeschlafen sind, nachdem sie vorher vor Müdigkeit weinten. Irgendwelche Angebote sind so nicht durchzuführen, wir können den Kindern ja schlecht Streichhölzer zwischen die Augenlider stecken .... . Das sage ich den Eltern auch so. Nicht das mit den Streichhölzern. Wieder zurück in der Krippe gab's Mittagessen, dann gleich Mittagsschlaf. So gesehen ein recht entspannter Arbeitstag.

Auch in unserer Nachbarschaft hüpfen die Kinder während der Schulzeit noch abends um 21.30 Uhr im Garten rum. Dann frage ich mich schon, ob ich vielleicht zu streng bin?! Der Bub geht während der Schulzeit gegen 19.30 Uhr ins Bett und darf bis 20 Uhr lesen, an den Wochenenden und in den Ferien länger. Irgendwann brauche ich halt auch meine Zeit für mich, dann mag ich kein Kindergeschrei mehr hören, schon gleich gar keine fremden Kinder. Vielleicht sieht das wieder anders aus, wenn ich entspannter bin nach meinem Urlaub. Oder ich muss dann halt in den Wald ziehen. Ach nein, dann zwitschern die Vögel wieder zu laut. Oder ich suche mir einen anderen Job. Was kann man denn so arbeiten in einer schalldichten Kammer - Nutella-Tester?!

Von den Babysittern hat auf meine Email noch keine einzige geantwortet. Hm. Schau mer mal ... . Habe ich mir vielleicht zu lange Zeit gelassen?!

Sonntag, 19. Juli 2015

Volver a Disfrutar

So nun ... im Krankenhaus zu Bebi's Geburt hatte ich meinen heiligen (!) iPod noch dabei gehabt. Dann hatte ich über kurz mal eine Putzfrau gefunden für wenige Stunden im Monat. Da ihr die Arbeit im Haus aber zu viel war, verabschiedete sie sich nach kurzer Zeit schon wieder ... und mit ihr mein iPod. Mein über alles geliebter iPod.

Und weil ...

... habe ich mir nach einigen Monaten zwar einen neuen iPod gekauft, den aber nie zum Laufen bekommen, denn
Der Verlust von ~ 9000 Musiktiteln schmerzte mich so sehr, dass ich nun tatsächlich mehrere Monate lang keine Musik gehört habe. Aber wie wenig bin ich ich ohne Musik?! Musik ist mein Leben, ever since. Aktiv und passiv. Ohne geht's gar nicht. O sea ... mi vida sin música no es la vida que quiero, ein Leben ohne Musik verändert mich auch seelisch. In eine Richtung, die mir nicht gefällt.
Vor ein paar Wochen begann ich dann endlich wieder damit, CDs zu hören, wenigstens.

Heute dann der 'große Schritt': dem neuen iPod ein Software-Update verpasst, iTunes repariert und alle digitalen Geräte auf den neuesten WLAN-Stand gebracht. Der iPod ... tja nun:

... shuffelt weiter vor sich hin. Keine Ahnung, wie ich den zum Laufen bekomme. Immerhin funktioniert das WLAN so dass ich den traurigen Rest an Musiktiteln vom PC aus über die Stereoanlage hören kann. Tja nun ... dann baue ich mir eben alles wieder von Neuem auf, wäre ja nicht das erste Mal. 
'Interessant' allerdings ist die Erfahrung: es kann passieren, was will, und das tut's ja auch ... das bringt mich bisweilen hart an meine Grenzen. Aber wenn meine Musik mich im Stich lässt/ich keinen Zugang zu meiner Musik habe, dann wird's richtig hart. Ohne meine Musik bin ich nun mal nicht ich.

Und sonst so? Heute ist der Tag, den es rot im Kalender anzustreichen gilt: ich habe die Wäsche erledigt. Komplett. Auf null. Ja ok, ein Waschkorb mit bereits gewaschenem und zusammengelegtem Zeug steht noch da, aber der ist auch quasi schon weg, zählt also nicht mehr.

Für die Bebiline habe ich eine wunderschöne Puppe bestellt zum Geburtstag. Ja, sie hat schon eine kleine Babypuppe aus Plastik, die liebt sie über alles. Die gebe ich ihr für zum Mitnehmen, die fliegt sonstwo rum, die schlabbert sie ab ... und eine handgefertigte Puppe aus Stoff dazu. Zwei Puppen ist ok, oder? Das Kleid, das die von mir ausgewählte Puppe anhatte, gefiel mir gar nicht (rosa-kariert ... ;) ), deshalb, bevor ich alternativ die Puppe gekauft und beispielsweise über Dawanda ein schönes Kleid dazugekauft hätte, fragte ich im Online-Shop nach, ob man das Kleid vielleicht gegen ein Anderes eintauschen könne ... und sie da: geht! Wer nicht fragt, der nicht gewinnt! Freut mich.

Die Füße, die viele Monate lang so sehr schmerzten, sind nun wieder besser, hoffe ich. Aber mein rechter Ellenbogen tut weh, seit April jetzt, strahlt in den ganzen Arm aus. Vielleicht gehe ich morgen nach der Arbeit doch endlich mal zum Arzt und lasse das anschauen. Vorige Nacht bin ich sogar von den Schmerzen aufgewacht, ab und an geht's gar nicht ohne Schmerzmittel ... . Nicht gut, Beelze.

Naja, und dann ist da noch ...
So ganz ohne irgendwas ist doch auch doof ... . Es bleibt spannend. Der Verstand sagt mir, 'mach mal ein Sabbat-Jahr' in diesen Dingen, aber ... das macht für mich keinen rechten Sinn. Ich bin nun auch 35, worauf will ich noch warten? Ich mag auch irgendwann mal ankommen. Nun kann ich's mir aussuchen: entweder ich lerne die Verwendung einer Notbremse, oder ich gewöhne mich eben an Drama (nein!). Aber ja: die Herangehensweise verändert sich schon, vielleicht lerne ich's ja doch irgendwann mal, das mit dem Aufpassen auf mich selbst.

Und dann hat's endlich mal funktioniert, das mit dem Aufpassen! Als ich schwanger war, habe ich stressbedingt abgenommen, blablabla der aufmerksame Leser kennt das, dafür nach meiner Schwangerschaft irgendwie ... und Deutschland und sowieso und ach was soll's: ich bin so gar nicht mehr zufrieden mit meiner Figur, das Gewicht ist eine meiner großen Baustellen, ich habe schon so viele Abnehmversuche gestartet, die kann man nicht mehr an einer Hand abzählen. Jedenfalls heißt das Thema seit einiger Zeit 'low carb'. Und ich halte tatsächlich durch. Keine Ahnung mehr, wann ich damit angefangen habe, keine Ahnung, ob ich damit jemals wieder aufhören möchte. Nun hat es mich allerdings vorhin tatsächlich danach gelüstet, mir seit langer, langer Zeit mal wieder etwas im Internet zu bestellen. Pseudo-mexikanisch, mit richtig viel Käse überbacken. Und was soll ich sagen? Ich erinnerte mich an das ekelhafte Gefühl 'danach', die (Pseudo-)Schuld, die grauenhafte 'Völle' - und ließ es bleiben. In weiser Voraussicht hatte ich mir für das Wochenende Obst und Gemüse  in rauen Mengen gekauft, die darf ich verschlingen, so viel ich davon möchte. Und ja, ich will. Dieser Überbackene-Käse-Scheiß steht sowieso nur symbolisch für irgendein anderes unbefriedigtes Bedürfnis, dann kann ich's auch lassen. So weit war ich schon öfter. Und habe mir dann trotzdem etwas bestellt. Das Gefühl jetzt allerdings, stark geblieben zu sein, ist erhebend.

Nun habe ich 'versehentlich' Sojamehl hier stehen, dann kann ich's auch benutzen, um mal vegane Muffins zu backen. Seit ich denken kann lebe ich fleischlos (außer als Kind bei den Großeltern in Deutschland zu Besuch, da wurde gegessen, was auf den Tisch kam, auch Fleisch) - in 2. Generation. Allerdings konsumiere ich schon so einige Milchprodukte: auf Quark mit Kräutern oder Marmelade möchte ich ebenso ungern verzichten wie auf leckere Käsesorten. Da ich für mein Leben gern backe, probiere ich das mit dem Sojamehl nun einfach mal aus, vielleicht schmeckt's ja sogar.

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bedanken für euer tolles Feedback zu meinem letzten Blog-Post "Mira, there's a Flugzeug!" Ich habe doch einfach nur geschrieben .... . <333

Freitag, 17. Juli 2015

Mira, there's a Flugzeug!

Lieber Hannes,

in wenigen Wochen feiern wir den ersten Geburtstag von Beelzebebi.

Wie stolz du wohl auf sie wärst, wenn du ihre blonden Haare sehen würdest, und ihre strahlend-blauen Augen. Ein paar Löckchen hat sie, und schon acht kleine süße Zähnchen. Auch wenn sie ein Mädchen ist, sieht sie dir von den Gesichtszügen her sehr ähnlich, vor allen Dingen der Mund. 

Sie weiß ganz genau, was sie möchte - und was sie nicht möchte. Deinen starken Charakter hatte sie von Anfang an. Schon als ich mit ihr schwanger war. Wie kann ein kleiner Mensch sonst so viel Stress zu Beginn seines Lebens ertragen und überleben? 

Die ganze Schwangerschaft hindurch war sie unterdurchschnittlich klein, nicht unterentwickelt, aber eben 'zu klein', was die Ärzte auf den massiven Stress zurückführen. Nach nun mehr knapp einem Jahr ist nun nichts mehr von dem Stress-Bebi zu sehen, das sie einst war. Nach viel zu langer Zeit des 'Übertragens' entschied sie sich doch dafür, auf natürlichem Wege zur Welt zu kommen - just an dem Morgen, als der Kaiserschnitttermin angesetzt war, und es kein Zurück mehr gab. Zuvor hatte es geheißen, Sie wäre zu klein für eine natürliche Geburt, sie sprang auf keinen der vielen Einleitungsversuche an, nicht auf den Wehencocktail, nicht auf den Wehentropf. Aber nachdem sie sich in quasi letzter Minute von Beckenendlage und Querlage in die richtige Startposition gedreht und sich so viele Kontraindikationen wie durch ein Wunder in Luft aufgelöst hatten, sah ich nicht mehr ein, sie durch einen Kaiserschnitt holen zu lassen. Dazu kam meine nahezu panische Angst vor dieser Operation. Wer würde sie in den ersten Minuten ihres neuen Lebens halten, wenn die einzige, die sie hat - ich - weggebeamt auf einem OP-Tisch läge, um zugenäht zu werden? Wie lange würde es dauern, bis Fridolin sie endlich in die Arme schließen könnte, nach einer OP? Dazu die Angst, wie ich sie wohl versorgen könnte nach einem Kaiserschnitt, und vor den Schmerzen, die solch eine Wunde mit sich bringt. 
Ich danke jedem einzelnen Arzt, jeder Schwester und jeder Hebamme, die mich in diesen Tagen und danach begleitet haben, für den Zuspruch, für die Geduld und Zuversicht, dass ich es auch ohne Kaiserschnitt schaffen würde, für die tolle Begleitung und für den vielen Sekt. Das ist nicht! selbstverständlich in einem großen Krankenhaus!

Ihre Geburt war nach allem, was wir die Monate zuvor durchstehen mussten, das Schönste, was ich jemals erlebt habe, und wird vermutlich auch durch nichts auf dieser Erde zu toppen sein. Niemals.

Die ersten Wochen und Monate war sie ein echtes Spuck-Kind und hat relativ viel geschrien, auch wenn sie kein richtiges Schrei-Kind war. Stillen funktionierte nicht so wirklich, wie ich mir das gewünscht hatte, nach nur vier Monaten war endgültig Schluss, und sie bekam den ersten Brei - weil sie das so wollte. Selbst die Hebammen stimmten mit mir überein, dass das so das Beste für sie war. Wie auch der Bub hat sie ihren eigenen Kopf, und das ist gut so. Im Endeffekt hätte ich mir schon eine harmonischere Stillzeit gewünscht, aber vermutlich hatte auch das einen Sinn, schließlich arbeite ich seit Januar wieder. Vollzeit, auf nur vier Tage verteilt, damit ich freitags Zeit für Bebi habe. Das hätte ich mit Stillen nicht unter einen Hut bringen können. Ja, ich habe mir wieder meine Selbständigkeit aufgebaut. Die Arbeit tut mir verdammt gut, nicht nur, weil ich alleinerziehend bin, und unsere Versorgung alleine stemmen muss, sondern auch, weil ich durch meine Arbeit, die ich gut mache, etwas von dem Selbstwertgefühl wieder erlange, das durch den Stress, die Bedrohungen, die Angst, Wut und Trauer in den ersten Monaten meiner Schwangerschaft kaum mehr vorhanden war.

Lieber Hannes, du wärst so stolz auf diese Bebiline, auch wenn du weder weißt, ob sie ein Mädchen oder ein Junge ist, noch ihren Namen kennst oder ihr Geburtsdatum. Ich bin dir lange nicht mehr böse oder wütend. Sie gibt mir all das, wovon du immer geträumt, wonach du dich so sehr gesehnt hast. Ich habe mir in all den Jahren sowohl in Mexico als auch in den USA und in Deutschland ein hervorragend soziales Netz aufgebaut, zu dem ich auch meinen Teil beitrage, das schlicht und einfach funktioniert, so hat sie genügend liebe Menschen, die jeden Meilenstein mit uns feiern. 
Heute lief sie die ersten Schritte komplett frei, sie kann winken, klatschen, lacht viel und ist ein sehr fröhliches kleines Mädchen. Am Liebsten spielt sie mit Kabeln, an sämtlichen Steckdosen, räumt Schränke aus und den Mülleimer, aber ihre Puppe mag sie auch. Wenn wir Musik anmachen, tanzt sie mit Händen in der Luft, klatscht und freut sich. Wenn ich mit ihr auf dem Arm tanze, Salsa, kriegt sie sich vor lachen nicht mehr ein. Sie mag gerne, wenn ich mit ihr spanisch spreche oder englisch, deutsch versteht sie selbstredend auch. Wenn ich mit ihr alleine bin, spreche ich ausschließlich spanisch oder englisch. Mal sehen, was dabei rauskommt. Einer der ersten Sätze vom Bub war "Mira, there's a Flugzeug!", aber das weißt du ja. Nächstes Jahr nehme ich mir eine Woche Urlaub mehr, dann werden wir heim fliegen. Ich weiß noch nicht ... Mexico oder USA oder beides ... San Diego, Los Angeles, San Antonio. Du würdest es hassen.

Was ich ihr erzählen werde, wenn sie einmal nach dir fragen wird? Ich werde ihr erzählen, wie sehr ich dich geliebt habe, von deinen Träumen, deinen Sehnsüchten. Kurz nach ihrer Geburt habe ich eine schöne Kiste gekauft, in die ich alles gelegt habe, was von dir übrig blieb - deine Geschenke an mich, den Stein mit dem Herz drauf, Anziehsachen ... aber auch Symbole für Dinge, welche du gerne mochtest. Die Moldau. Das kleine Fotobuch, das ich nach unserem Zingst-Urlaub gemacht habe. Damit war das Kapitel für mich abgeschlossen. Die Kiste darf sie haben, wenn sie einmal wissen möchte, wer ihr Vater war, und ich werde ihr alle Fragen beantworten, so gut das eben geht. Die Suizid-Androhungen und all die anderen schlimmen Dinge, die passiert sind, lasse ich weg. Es ist so gut, dass sie da ist!

Ein rechter Schluss für diesen Brief fällt mir nicht ein. Als du gegangen bist, als ich gegangen bin, war ich für einen Augenblick dem Tod näher als dem Leben. Wäre dieses Kind in mir gestorben, wäre auch ich gestorben. Am Ende ist - für uns - alles gut so wie es ist, denn ich habe den Beelzeplan! Vielleicht finden wir ja irgendwann mal einen tollen Menschen, der uns ergänzt, jemanden, der mich liebt, wie ich bin. So lange nehme ich das, was meine Kinder mir zurück geben ... und das ist Leben, Liebe und Lachen!

Hasta siempre,
Beelzefrau!

Dienstag, 14. Juli 2015

Steh-Auf-Beelze!

Guckguck, ich bin's, die Steh-Auf- oder auch Never-Give-Up-Beelze!
Kennt ihr mich noch?
Die letzten Tage ist meine Welt in mehrfacher Hinsicht zusammengebrochen.
Was passiert ist, kann einen schon mal gut und gerne aus den Latschen kippen lassen.
Und dennoch besitze ich etwas.
Magisch.
Wertvoll.
Etwas, das dafür sorgt, dass ...
Ja, wofür eigentlich?
Dass die Beelzefrau niemals untergeht.

Nennen wir es den Beelzeplan.