Fridolin im Bett. Zu Abend gegessen. Frühstück ist gleich vorbereitet. Büchertasche gepackt. Es nähert sich der Zeitpunkt, an dem - für heute - nichts mehr zu tun ist. Außer Fußball gucken. Die Beine zappeln schon genug, weil sie müde sind für heute. Der Kopf denkt noch lange nicht an Abschalten.
Morgen, 9.15 Uhr habe ich meinen Termin im Krankenhaus. Nichts zu tun und solch einen Termin direkt vor der Nase ... Amok. Bekomme ich morgen Antworten? Und wenn ja, welche?
Vorhin noch eine Mail von Frida. Ihr Hilfsangebot stünde nach wie vor, ich müsse mich nur melden. Was genau habe ich die letzten neun Monate verpasst? Und all die Jahre zuvor?! Welches Hilfsangebot meint sie genau?! "Reizpunkte" - gutes Stichwort ... . Dass sie Fridolin bei sich haben will? Dass sie immer da ist für mich - außer Montag bis Sonntag, 0 bis 24 Uhr? Dass sie mir gerne hilft mit allem - außer bei allem? Wie oft hat sie fest verabredete Termine platzen lassen die letzten Wochen und Monate?! Fest zugesagte Hilfe. Aufpassen, Beelze ... dünnes Eis. Jetzt nicht weiter drüber nachdenken, abprallen lassen. Am Freitag kommt lieber Besuch aus drei verschiedenen Himmelsrichtungen.
Ja, ich habe mich die letzten Wochen und Monate oft, sehr oft einsam gefühlt - und bin eines besseren belehrt worden. Wenn ich die Nasenspitze raustrecke, sind da Menschen. Viele Menschen. Nette Menschen. Ob die alle zusammen wohl den Wert einer Mutter aufwiegen können?
Werde ich morgen Antworten bekommen? Wird morgen irgendetwas untersucht werden? Werde ich den Mumm haben, die entscheidenden, wichtigen Fragen zu stellen? Oder werde ich mich abwiegeln lassen? Und vor allen Dingen: wie liegt mein Mäuschen? Gibt's irgendwelche Wehen, die was 'Gutes' bewirken? Und natürlich, ob's ihr gut geht. Und. Und. Und. Fragen über Fragen. Wird ein Kaiserschnitt nötig sein? Ich will das nicht, wenn's nicht unbedingt nötig ist. Ich mag Beelzebebi im Arm halten, und nicht wieder hergeben, bis alles gut ist. Ohne dass sich das Fridolin-Drama von damals wiederholt.
Die Klinik liegt am anderen Ende der Stadt, ewige Fahrerei. Hoffentlich schaffe ich es nach Hause, bis Fridolin von der Schule daheim ist. Naja, er weiß Bescheid, und es ist für alle Eventualitäten vorgesorgt. Hoffentlich bin ich 'danach' in einem Zustand, in dem ich heil nach Hause kommen kann. Die Nerven liegen nahezu blank.
Ansonsten ... habe ich heute ordentlich was geschafft. Passt schon. Heute Morgen gleich die Überweisung fürs Krankenhaus geholt. Wider Erwarten ging das vollkommen problemlos. Viel Wäsche gewaschen, und Kleinkram, den Koffer fürs Krankenhaus nach oben geholt. Da liegt immerhin schon mal meine Jogginghose drin.
Fridolin habe ich heute überrascht, indem ich ihn aus der Schule abgeholt habe. Er hat sich alleine darüber schon riesig gefreut, und ist gleich in meine Arme gehüpft, als er mich gesehen hat. Danach haben wir nur schnell seine Schultasche zu Hause reingestellt, und sind gleich weiter in die Stadt gedüst. Mittagessen hat ja noch geklappt - Zwiebelsuppe und kleiner Flammkuchen im Lieblingscafé. Auch da sind wir schon lange vermisst worden. Schönes Gefühl.
Naja, danach hielt sich unsere Ausbeute eher in Grenzen - Uruguay-, Australien-, Kroatien-, Kamerun- und sonstige mehr oder weniger bedeutende WM-Trikots hingen zu Hauf rum, von Mexico war weit und breit nix zu sehen. Kein Erfolg in Geschäft eins war ja schon ... Fridolin verzog schon das Gesicht. In Geschäft zwei gab's dann auch nix. Oh oh. Tränen in den Augen. Armes Kind. Nun ja, dann haben wir halt das Netz der Netze bemüht am Abend ... . Fürs Kind ist das aber nicht das Gleiche, irgendein Trikot irgendwann zugeschickt zu bekommen, oder ins Geschäft gehen, danach fragen, die Trikots gezeigt bekommen, anprobieren, nach eingehender Prüfung das Allerschönste raussuchen (da darf kein Faden weghängen, keine schiefe Naht oder oder oder), und dann an der Kasse richtiges Geld in der Hand fühlen und bezahlen, Wechselgeld bekommen, nach Hause gehen und freuen. Das Trikot ist ein Geschenk von Fred und mir (zusammen - oh oh) dafür, dass Fridolin das mit der 2. Klasse so toll gemacht hat!
Im zweiten Geschäft wollten wir dann Fridolin's Gutscheine vom Kindergeburtstag einlösen - für das Lego City Arktis-Basislager. Nun ja, auch das war nicht vorrätig. Wir haben's immerhin dort im Laden bestellt, am Donnerstag können wir's vermutlich abholen. Trotzdem: erst mal hat Fridolin nur einen Zettel mit seinem Namen drauf und unterm Strich noch nix. Naja, und wie sollte es anders sein: auch im Schuhgeschäft gab's nichts wirklich Anständiges. Wir haben bloß ein paar normale feste Halbschuhe gesucht für die Schule. Keine Chance. Später mal in einem anderen Geschäft.
Naja, dann schnell nach Hause gefahren, Hausaufgaben erledigt - eine Leichtigkeit, Büchertasche auf Vordermann gebracht und dann kam auch schon Fred zum Fußballtraining.
Eigentlich gäbe es noch viel mehr zu schreiben, aber .... .
Montag, 30. Juni 2014
Zartes Pflänzchen
Welche Zimmerblume passt zu mir?
Die Individualistin
Zu Ihnen passen prächtige Solitäre und exotische Grünpflanzen, die Ihre Räume dominieren. Palmen oder stattliche Kakteen erinnern Sie an die große weite Welt da draußen. Und wenn Ihre verwurzelten Mitbewohner bei Ihren Gästen ganz nebenbei auch noch ein bisschen Eindruck schinden, haben Sie nichts dagegen einzuwenden. Trotzdem wählen Sie Ihre Pflanzen ganz nach Ihrem Geschmack aus. Und der ist gut. Standortempfehlungen? Pflegetipps? Interessieren Sie herzlich wenig.
Tipp: Falls Sie in der dunklen Jahreszeit mal was Blühendes möchten - die Paradiesvogelblume (Strelitzia reginae) mit ihren extravaganten Blüten ist eine aufsehenerregende Hausgenossin. Dabei ist sie relativ anspruchslos, gibt sich mit einem hellen Platz und etwas Wasser zufrieden.
Faust und Auge. :)
Sonntag, 29. Juni 2014
Om Mane Padme Hum
In meinem Hirn überschlagen sich die Gedanken. Kein Mensch, mit dem ich wirklich reden kann, weil das mein Umfeld alles überfordert. Kunststück. Erwarte ich gar nicht. Ich kann's ihnen nicht verdenken. Viele Menschen, denen man anmerkt, wie erleichtert sie sind, nicht meine Probleme zu haben, die verunsichert sind ob dessen, was ich da tue, und dann mit hilflosen Vorschlägen ums Eck kommen, damit etwas gesagt ist, um die eigene Hilflosigkeit zu überspielen, das Gewissen zu beruhigen, vermutlich auch aus echtem Bemühen heraus. Und doch - es fehlt mir, sprechen zu können! Ein Mensch, der das packt.
Fred, der da ist. Holzkopf nannte ein Freund ihn. Unflexibel wie Stahlbeton. Die drei Affen. Ungewillt, sich auch nur einen Schritt zu bewegen - geistig - irgendwas zu verändern. Aber da. Mehr da als Frida. Nein, einsam bin ich nicht - mehr. Die letzten Wochen habe ich das gut zu spüren bekommen. Vielleicht schaffen die vielen 'netten' Kontakte doch irgendwann, den Verlust einer Mutter aufzuwiegen. Ich probiere es. Mehr als nicht funktionieren kann's ja gar nicht. Dann geht's mir auch nicht schlechter als jetzt. Aber dann werde ich etwas versucht haben, um die Lage zu verbessern. Und wer weiß? Vielleicht wird das ewige Hinfall-Aufsteh-Spiel ja eines Tages belohnt. Von Frida habe ich mich - zumindest für den Augenblick - vielleicht schon ein bisschen wirklich frei gemacht? Ich weiß es nicht. Ja, schade wie's ist. Klar wär's schöner mit ihr. Aber wie auch in meinem letzten Blogeintrag: wir sind hier nicht bei "Wünsch dir was", sondern bei "so isses". Für den Augenblick fühlt sich's ok an, wie's ist. Raus aus dem Tal der Tränen über ihre Abwesenheit.
Hier - bei Fred - dreckig, stinkig, uneingerichtet, messiemäßig. Noch immer. "Fridolin und ich teilen uns immer ein Handtuch" - PFUI!!!!!
Angst vor dem, was sein wird mit Hannes. Wird es in diesem Leben noch ein Aufeinandertreffen mit ihm geben? "Klar möchte ich es sehen, wenn da ein Mensch auf der Erde rumläuft, der von mir abstammt" - "Wenn ich gehe, gehe ich nicht alleine. Wenn ich gehe, nehme ich dich mit!" Drohanrufe von "Freunden" seinerseits. Und so vieles mehr.
Nochmal: ich bekomme dieses Kind zu allererst, weil es mich faktisch getötet hätte - da in der Klinik, auf einem Stuhl? Einer Liege? - ich will's nicht wissen! Beine breit. Und dann willentlich(?!)-wissentlich ein Leben aus meinem eigenen Körper herausgebrannt bekommen? Ja, unter dem wahnsinnigen Druck, den ich hatte, hatte ich zwei Termine. Beide platzen lassen. Es wäre zu jeder Zeit gegen meinen Willen geschehen. Es zu töten, hätte mich getötet. Definitiv. Unwiderruflich. Was wäre dann aus Fridolin geworden? Allein die Vorstellung, da zu liegen, wird bei mir bis in alle Ewigkeit größte Übelkeit, Ekel, Panik, Angst und was auch immer hervorrufen. Nein, nie im Leben verurteile ich Frauen, die abtreiben. Nur: für mich war es keine Lösung. Im Gegenteil.
Es war nicht geplant. Nie. Zu keinem Zeitpunkt. Trotz Pille. Definitiv kein Einnahmefehler meinerseits. Ärztepfusch. Erwiesenermaßen. (Das an dieser Stelle weiter auszuführen geht nicht). So viel zum Thema "Hormonstörungen gibt es nicht in Ihrem Alter" ... . Ganz offensichtlich schon. Aber ich liebe sie!!!
Auch habe ich es zu keinem Zeitpunkt darauf angelegt, Hannes ein Kind unterzuschieben, oder ihn als Spermaspender zu missbrauchen oder oder oder. Was auch immer passiert wäre, war unsere, Hannes' und meine Entscheidung - bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich bedroht worden bin. Was hier die letzten neun Monate passiert ist, war einmal Hölle und zurück. War?! Vergangenheitsform? Ende und alles ist gut? Vermutlich nicht. Im Gegenteil ... wenn Beelzebebi da ist, werde ich erst recht das ein oder andere Mal durch die Hölle gehen, bei allem, was da noch auf mich zukommt, psychisch, mit Hannes (oder vielmehr ohne ihn, wie auch immer). Ob er mich nochmal bedrohen wird? Ob er sich schon aus dem Staub gemacht hat? Ich weiß es nicht.
Aber ich weiß, dass ich sie liebe, genau wie ich Fridolin liebe, denn ich habe mich bei vollem Bewusstsein dafür entschieden, sie zu bekommen. Ich weiß, dass ich es schaffen werde - alleine. Nicht irgendwie. Sondern so, dass wir drei glücklich sind. Das ist, was zählt.
Der Traum, letzte Nacht ... Beelzebebi auf meinem Arm ... einmal mit blonden Locken, einmal mit dunklen, kurzen Haaren wie ein kleines Äffchen ... ich sehne den Tag herbei, an dem ich sie endlich im Arm halten darf, der Tag an dem sie spüren wird, wie sehr ich sie liebe. Der Tag, an dem alles gut ist so wie es ist für uns drei, egal, was außenrum passiert ist und geschehen wird. Ganz egal, ob sie Vater, Mutter und eine Bilderbuch-Familie haben wird. Sie hat mich. Sie hat Fridolin. Fridolin, der sagt, "wir drei werden jeder der wichtigste Mensch auf der Welt für die beiden Anderen", für immer und ewig.
Wie ich ihr das alles einmal erklären werde? In Ruhe. Ehrlich. Reflektiert. Ich werde aus Fehlern gelernt haben.
Ich liebe dich, Beelzebebi.
(Nachtrag von letzter Nacht - ohne Internet)
Fred, der da ist. Holzkopf nannte ein Freund ihn. Unflexibel wie Stahlbeton. Die drei Affen. Ungewillt, sich auch nur einen Schritt zu bewegen - geistig - irgendwas zu verändern. Aber da. Mehr da als Frida. Nein, einsam bin ich nicht - mehr. Die letzten Wochen habe ich das gut zu spüren bekommen. Vielleicht schaffen die vielen 'netten' Kontakte doch irgendwann, den Verlust einer Mutter aufzuwiegen. Ich probiere es. Mehr als nicht funktionieren kann's ja gar nicht. Dann geht's mir auch nicht schlechter als jetzt. Aber dann werde ich etwas versucht haben, um die Lage zu verbessern. Und wer weiß? Vielleicht wird das ewige Hinfall-Aufsteh-Spiel ja eines Tages belohnt. Von Frida habe ich mich - zumindest für den Augenblick - vielleicht schon ein bisschen wirklich frei gemacht? Ich weiß es nicht. Ja, schade wie's ist. Klar wär's schöner mit ihr. Aber wie auch in meinem letzten Blogeintrag: wir sind hier nicht bei "Wünsch dir was", sondern bei "so isses". Für den Augenblick fühlt sich's ok an, wie's ist. Raus aus dem Tal der Tränen über ihre Abwesenheit.
Hier - bei Fred - dreckig, stinkig, uneingerichtet, messiemäßig. Noch immer. "Fridolin und ich teilen uns immer ein Handtuch" - PFUI!!!!!
Angst vor dem, was sein wird mit Hannes. Wird es in diesem Leben noch ein Aufeinandertreffen mit ihm geben? "Klar möchte ich es sehen, wenn da ein Mensch auf der Erde rumläuft, der von mir abstammt" - "Wenn ich gehe, gehe ich nicht alleine. Wenn ich gehe, nehme ich dich mit!" Drohanrufe von "Freunden" seinerseits. Und so vieles mehr.
Nochmal: ich bekomme dieses Kind zu allererst, weil es mich faktisch getötet hätte - da in der Klinik, auf einem Stuhl? Einer Liege? - ich will's nicht wissen! Beine breit. Und dann willentlich(?!)-wissentlich ein Leben aus meinem eigenen Körper herausgebrannt bekommen? Ja, unter dem wahnsinnigen Druck, den ich hatte, hatte ich zwei Termine. Beide platzen lassen. Es wäre zu jeder Zeit gegen meinen Willen geschehen. Es zu töten, hätte mich getötet. Definitiv. Unwiderruflich. Was wäre dann aus Fridolin geworden? Allein die Vorstellung, da zu liegen, wird bei mir bis in alle Ewigkeit größte Übelkeit, Ekel, Panik, Angst und was auch immer hervorrufen. Nein, nie im Leben verurteile ich Frauen, die abtreiben. Nur: für mich war es keine Lösung. Im Gegenteil.
Es war nicht geplant. Nie. Zu keinem Zeitpunkt. Trotz Pille. Definitiv kein Einnahmefehler meinerseits. Ärztepfusch. Erwiesenermaßen. (Das an dieser Stelle weiter auszuführen geht nicht). So viel zum Thema "Hormonstörungen gibt es nicht in Ihrem Alter" ... . Ganz offensichtlich schon. Aber ich liebe sie!!!
Auch habe ich es zu keinem Zeitpunkt darauf angelegt, Hannes ein Kind unterzuschieben, oder ihn als Spermaspender zu missbrauchen oder oder oder. Was auch immer passiert wäre, war unsere, Hannes' und meine Entscheidung - bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich bedroht worden bin. Was hier die letzten neun Monate passiert ist, war einmal Hölle und zurück. War?! Vergangenheitsform? Ende und alles ist gut? Vermutlich nicht. Im Gegenteil ... wenn Beelzebebi da ist, werde ich erst recht das ein oder andere Mal durch die Hölle gehen, bei allem, was da noch auf mich zukommt, psychisch, mit Hannes (oder vielmehr ohne ihn, wie auch immer). Ob er mich nochmal bedrohen wird? Ob er sich schon aus dem Staub gemacht hat? Ich weiß es nicht.
Aber ich weiß, dass ich sie liebe, genau wie ich Fridolin liebe, denn ich habe mich bei vollem Bewusstsein dafür entschieden, sie zu bekommen. Ich weiß, dass ich es schaffen werde - alleine. Nicht irgendwie. Sondern so, dass wir drei glücklich sind. Das ist, was zählt.
Der Traum, letzte Nacht ... Beelzebebi auf meinem Arm ... einmal mit blonden Locken, einmal mit dunklen, kurzen Haaren wie ein kleines Äffchen ... ich sehne den Tag herbei, an dem ich sie endlich im Arm halten darf, der Tag an dem sie spüren wird, wie sehr ich sie liebe. Der Tag, an dem alles gut ist so wie es ist für uns drei, egal, was außenrum passiert ist und geschehen wird. Ganz egal, ob sie Vater, Mutter und eine Bilderbuch-Familie haben wird. Sie hat mich. Sie hat Fridolin. Fridolin, der sagt, "wir drei werden jeder der wichtigste Mensch auf der Welt für die beiden Anderen", für immer und ewig.
Wie ich ihr das alles einmal erklären werde? In Ruhe. Ehrlich. Reflektiert. Ich werde aus Fehlern gelernt haben.
Ich liebe dich, Beelzebebi.
(Nachtrag von letzter Nacht - ohne Internet)
Rain of Blessings
Hier sieht's aus wie bei Beelze unterm Sofa! Seit dem ersten Schwung, seit wir zurück im Haus sind, die Möbel stehen, und die wichtigsten Dinge eingeräumt sind, hat sich faktisch im Haus nicht mehr wirklich was getan. Fridolin's Zimmer ist fertig. Babyzimmer auch. Aber sonst... . Überall noch viel zu viele Kisten. Chaos. Und irgendwie ... ja klar, auf alle Fälle wohler als zuvor, aber irgendwas Entscheidendes fehlt noch. Abgesehen vom Baby. Und Bauchgefühl sagt: Beelzebebi kommt erst, wenn hier alles fertig ist. Aufgeräumt und so. Könnte sein, dass mich dies vor eine harte Zerreißprobe stellen wird (doble sentido). Denn fertig bin ich noch lange nicht, und der recht ánimo fehlt auch. Oh weh.
Immerhin: gestern habe ich die Fernbedienung meiner Stereoanlage wieder gefunden, vorhin meine Toilettentasche. Meine Tasche für die Klinik habe ich auch noch lange nicht gepackt. Richtig richtige Wehen, die auch beim Arzt als Wehen gelten, habe ich bisher noch nicht gehabt. Bei mir gehen die schon als Wehen durch. Hätte gerne solche, die auch Arzt und Hebamme interessieren ... da Fridolin ja auch schon so ein Drama war, fühle ich mich langsam als Versager ... unfähig, ein Baby normal auf die Welt zu bringen, oder wie?! Umgedreht ... wie soll sich denn bitte überhaupt was tun können, wenn Beelzebebi nicht richtig liegt?!
Wenn Bebi sich also erst auf den Weg macht, wenn hier alles fertig ist ... wieviel muss ich dann noch schuften?! Irgendwie macht mich das alles ... kirre. Stop, nun mal langsam: Nächste Woche ist ja sowieso Termin im Krankenhaus. Mal sehen, ob sich da was tut bezüglich äußerer Wendung. Wäre ja schon mal nicht schlecht, wenn zumindest die Bedingungen gegeben wären, dass sich überhaupt irgendwas tun kann. Nervt grad alles. Von mir aus könnt's einfach losgehen jetzt. Und wenn hier noch Umzugskisten rumstehen und keine Kliniktasche gepackt ist, der Vater fehlt, Oma nicht vorhanden, und Gipsabdruck vom Bauch auch nicht, und erst recht kein Babybauch-Foto-Shooting ... what the fuck! Zum Babykriegen braucht's MICH, und ich bin fertig. Sag ich jetzt mal so. Oder doch nicht wirklich?
Außerdem geht mir die geballte Kompetenz meiner sich kümmernden Familie so gewaltig gegen den Strich, die sich einig sind, dass das Beste für mich sei, mich einfach wieder Fred an den Hals zu schmeißen. WHAT THE FUCK! Bin ich 12, oder was?! Sind Frauen ohne einen Versorger-Mann nicht lebensfähig oder wie?! Frauen dürfen Männer niemals verlassen, sonst sind sie aufgeschmissen. Und wenn der Mann stirbt, müssen sie sich gleich mitverbrennen lassen, weil sie's alleine sowieso nicht schaffen, oder wie?! Ja ne, ist klar. Was hätte ich bloß getan, mit einem Typen, der in Guatemala ohne spanisch sowieso aufgeschmissen gewesen wäre? Wie habe ich bloß diverse Überfälle überlebt ... in abgebrochene Flaschenhälse geguckt, in Taxis gesessen, mit Taxifahrern, die die Tür verriegelten sobald ich saß und mit sonstwas drohten, wenn ich nicht alles Geld abgebe, ähnliche Spielchen in einem vollbesetzten Stadtbus, oder in einem Geschäft. Auf dem Weg von Mexico Stadt zu meiner Oma. 52 Stunden Busfahrt einfach. Zig Male in Ciudad Juárez. Zu Fuß über die Grenze. Ebenso in Tijuana. Alleine zu Fuß. Ebenso in diversen Drogen-Nestern an gefährlichen Grenzübergängen von Guatemala nach Mexico. Alleine. Als junge Frau. Ebenso alleine irgendwo zwischen El Salvador und Honduras ... . Alleine mit Dengue und Cholera in einem Busch-Krankenhaus in Guatemala. Bis auf die nötigsten Dokumente, und einem Rucksack mit dem allerwichtigsten Hab und Gut komplett meiner Wohnung beraubt.
Ich habe lange genug in Nepal gelebt. Seit Fridolin dreieinhalb ist, haben wir schon so viele tolle Abenteuerurlaube allein zu zweit gemacht ... sei es Wanderurlaub in der Schweiz, Backpacking auf La Gomera oder in Tunesien (!), oder unsere Camping-Rad-Tour. Und noch so vieles mehr. Und das sind nur die - auch für mich - abenteuerlichen Erlebnisse, von normalen Backpacker-Urlauben in Irland, der Türkei und sonstwo steht da noch gar nix. Wie habe ich das bloß alles überlebt? So ohne Mann? Als wäre ich alleine lebensunfähig! Soll ich sämtliches Leben einstellen in dem Augenblick, in dem ich keinen Mann habe, oder wie? Pf! Am Besten aufhören zu atmen? Und was, wenn das vermeintlich starke Geschlecht weniger Mumm hat als man selbst?!
Vor ein paar Monaten habe ich das Babyzimmer gestrichen. Man riet mir, das doch lieber meinen Mann machen zu lassen. Und wenn keiner da ist, muss ich elendig in einem Dreckloch vor mich hin vegetieren, weil ich zu blöd bin, das alleine zu machen?!
Ja klar, wäre alles ganz supi, wenn einer da wäre und alles schön heidi-deidi. Wir sind hier aber nicht bei "Wünsch dir was", sondern bei "so isses".
(Und bevor irgendjemand auf eine dumme Idee kommt: mir ist sowas von extremst - disculpe - scheißegal, ob mir jemand glaubt, was ich hier schreibe oder nicht. Nicht mein Problem. Ich weiß, was ich erlebt habe! All diese Erlebnisse haben mich zu dem gemacht, was ich bin. Gehört eine große Portion Mut zu, aber auch jugendliche Naivität, Unbedarftheit und ähm ja ... Selbstvertrauen - hatte ich tatsächlich mal.)
Ja ok, ich kann verstehen, dass man sich Sorgen um mich macht, und ich weiß das auch zu schätzen. Aber bitte .... "Am Besten für dich wäre, wenn du Fred ins Boot holst. Wer weiß, vielleicht will er dich wieder" - grenzwertig!
Ich habe schon so viele Dinge erlebt und überlebt (auch hurricanes und Erdbeben) ... hier lebe ich in einer Industrienation in der sogenannten 1. Welt ... . Wenn man hier nicht klar kommt - wo dann? Das einzige, was mir hier faktisch passieren kann, ist, dass mein Hirn Amok läuft, weil ich mich verunsichern lasse, anstatt mir selbst zu vertrauen.
Nun ja ... nächste Woche ist Termin im Krankenhaus. Mal sehen, was die zu der Situation sagen. Eine klare Ansage, etwas Greifbares wäre ja schon mal nicht schlecht.
Sorry, musste raus, all das!
Sorry, musste raus, all das!
Samstag, 28. Juni 2014
Gasthaus zum Einhorn
Komischer Tag heute, wenn alles, was zu tun ist, eigentlich warten kann, und man irgendwie nichts wirklich muss. Naja, Kliniktasche packen vielleicht schon langsam mal. Vielleicht merkt's Bebi ja.
Komatös geschlafen. Zwischendrin nur 20 Mal wach, aber macht nix.
Vom Beelzebebi geträumt. Einmal hatte es blonde Locken, einmal kurze dunkle Haare wie ein kleines Äffchen auf meinem Arm. Aber immer lag's quer in mir drin. Das fühlte sich alles so echt an. Echt schön! Und einmal sah man Bebi von außen quer in meinem Bauch liegen, jede einzelne Babyrippe - gruselig.
Nächste Woche habe ich Termin im Krankenhaus. Mal sehen, was die dazu sagen. Äußere Wendung wäre dann ja quasi übernächste Woche, wenn ich das richtig sehe. Aber vielleicht verstehe ich die Welt auch einfach nur nicht.
Seit gestern habe ich nicht nur ein Smartphone, sondern muss es auch noch benutzen. Lang genug habe ich mich ja dagegen gewehrt. Aktuell überfordert mich das irgendwie alles. Aber zum Glück habe ich es funktionierend in die Hand bekommen. Nun muss ich nur noch die Telefonnummern von SIM-Karte 1 auf SIM-Karte 2 transferieren. Irgendwann. Wenn ich die Muse dazu habe .... .
Fridolin telefoniert grade mit Frida. Vorhin stand er mit dem Telefon mit Lautsprecher auf der Dachterrasse und erzählte ihr frisch vom Herzen weg, wie er es immer tut, dass die Nachbarn immer Kette rauchen, und dass wir, weil die heute Abend ihre (Proleten-)Party haben, bei der gesoffen und gequalmt wird, anderweitig untergebracht sind. Mit Lautsprecher an. Juhu. Ich glaube aber, die Nachbarn waren nicht zu Hause. Trotzdem. Meine Nerven! Frida will wieder Fridolin sehen. Ja klar. Am letzten Sonntag schrieb sie, ich solle sie unbedingt gleich über mein Untersuchungsergebnis vom folgenden Montag informieren. Habe ich gemacht, in der Hoffnung ... . Am Freitag früh reagierte sie denn doch mal. Juhu. Scheint ihr ja immens wichtig zu sein. Weiß noch nicht so recht, ob ich mich verarscht fühle oder ob ich mich verarscht fühle. Insgesamt und generell. Zum Glück habe ich die letzten Tage viel Rückhalt anderweitig erfahren, so dass mich das aktuell nicht so sehr umhaut. Vielleicht täuscht das nur, kann auch sein. Ich verstehe das alles nicht. Wie man sein eigenes Kind dermaßen verstoßen kann. Halt nein ... Geldzahlungen. Ha! Ha! Ha! Ich kann mir von dem schmutzigen Geld ja jemanden kaufen, der mir bei der Geburt beisteht .... . Aufhören zu schreiben, bevor ich kotze. Sorry, aber.
Ich schnappe mir jetzt Fridolin, und dann geht's raus hier. Bye bye.
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