Montag, 25. August 2014

Pups kleine Nuckelkinder!

Letzte Nacht war die bislang schwierigste seit Beelzebebi's Geburt. Das arme Kind plagen Koliken und Mörder-Pupse. Nicht mehr lustig. Wir brauchten zu zweit drei Stunden, um sie so weit beruhigen zu können, dass sie irgendwann in den Schlaf der Gerechten fiel. Kirschkernkissen, Bäuchleinöl, Babytee, Kinderlieder, Bauchmassagen und ganz schön viel Durchhaltevermögen. Alleine hätte ich das wohl nicht gepackt heute Nacht. Wobei das nicht das erste Mal wenig gechillt war, aber die bisher heftigste Schreiattacke, seit sie auf der Welt ist. Doofe Pupse! Nachher kommt die Hebamme, mal sehen, was sie noch an Tipps auf Lager hat.

Fridolin ist seit vorhin bei einem Freund aus dem Kindergarten zum Übernachten; tut ihm auch gut, mal raus hier, und für mich ein bisschen weniger Arbeit. Danke für die Hilfe!!
Am Wochenende ist hier dann Hochzeit, danach darf er zu Fred gehen. Das gab gestern ein bisschen Theater, als ich mal auf den Tisch gehauen habe, aber - Hut ab vor Fred, er ist wirklich lernfähig! Er hilft mir außerordentlich viel mit Beelzebebi. Ich leiste auch. Merkt nur keiner. Geschweige denn, dass er sich mal dafür bedankt hätte. Gestern war's mir dann zu viel, und ich habe ordentlich auf den Tisch gehauen - eine klare Ansage meinerseits. Lerneffekt des Tages: wenn ich nicht sage, was Sache ist - woher soll mein Gegenüber riechen, was Sache ist?! Seine Reaktion: "Entschuldigung, mir war das so gar nicht bewusst." - Respekt dafür! Wir lernen, beide. Und alle profitieren.


Und in meinem Kopf tanzen Millionen von kleinen Giftzwergen mit vielen traurigen Gedanken. War klar, dass mich die Geschehnisse von November 2013 bis Januar einholen würden, sobald die Kleine auf der Welt ist. 
Ja, ich bin selbstverständlich die glücklichste und stolzeste Mutter, ich liebe meinen Beelzebuben, ich liebe mein kleines Beelzebebi bis in die Unendlichkeit und zurück und lasse sie nie wieder los. 
Und dennoch: Angesichts dessen, was mir Ende des letzten/Anfang diesen Jahres mit Beelzebebi's Erzeuger passiert ist, habe ich jedes Recht der Welt, neben der unbändigen Freude über dieses kleine Wunderwesen auch traurig zu sein! Das, was mir passiert ist, wünsche ich niemandem! Niemandem!

Gestern Abend auf dem Nachhauseweg von unserem kleinen Ausflug sah ich ein Auto wie der Erzeuger vom Beelzebebi es fährt oder fuhr. Sofort krampfte sich alles in mir zusammen. Gedankenwolkenkratzer bauten sich in Sekundenschnelle über mir auf, um unmittelbar darauf in sich zusammenzustürzen, aus der Asche bauten sich gleich hinterher neue, noch größere Hirntürme auf. Anspannung pur. Den Beelzebub geimpft, dass, sollte Hannes jemals irgendwo hier auftauchen, er sofort alles liegen und stehen lässt, und er zu mir nach Hause kommt. Ich habe diesem Menschen vertraut. Ich habe diesen Menschen geliebt. So sehr. Ich war glücklich mit ihm wie noch nie in meinem Leben zuvor. Ich habe mich nicht getäuscht. Auch das weiß ich. Umso mehr schmerzt alles, was passiert ist.

Herzlich Willkommen, Beelzebebi!

Nun bin ich auch wieder da!

Am Montag vor drei Wochen kam ich ins Krankenhaus wg Terminüberschreitung. Dort gab es den ersten Wehencocktail. In den folgenden 5 Tagen bekam ich sage und schreibe 8 Tabletten zur Einleitung, die allesamt nahezu komplett wirkungslos blieben. Schließlich folgte der Wehentropf, der einen 4-stündigen Wehensturm auslöste. Danach war ich platt wie nach einer Geburt, die Niere konnte nur durch eine Elefantendosis Schmerzmittel schmerzfrei gestellt werden, ich bekam wohl auch irgendwas zur Beruhigung, allesamt muttermundsunwirksame Wehen - kein Baby.

Dazu muss ich sagen, der erste meiner ETs war der 20.7. gewesen, Ärzte mittlerweile schon in Zugzwang. Immer wieder pendelte das Damoklesschwert 'Kaiserschnitt' bedrohlich über mir. Aber sämtliche Ärzte wie Schwestern und Hebammen redeten mir nach wie vor gut zu, Kaiserschnitt sei nicht meins, ich würde das auch ohne schaffen. Wie sehr sie mir damit von der Seele sprachen, glaubt mir kein Mensch. Allein die Vorstellung, dass das Kind, das seinen leiblichen Vater sowieso aller Wahrscheinlichkeit niemals kennenlernen wird, nach einem Kaiserschnitt, bei dem es eine dritte Person zum Bonding braucht, nicht bei mir sein kann, nachdem mein großer Sohn ja auch schon ... Gedanken über Gedanken.

Hinzu kam, dass sich bei etwa ET+10 (so genau kann ich das nicht sagen, vermutlich handelt es sich um eine verschleppte Nierenbeckenentzündung; die Hebamme hatte erzählt, echte Wehen kämen aus dem Rücken, daher hatte ich mich über diese Schmerzen gefreut, im Glauben, es wären Wehen) eine Nierenbeckenentzündung und Harnstau entwickelten, und meine linke Niere gestaucht war und ich dreimal täglich Antibiotika intravenös verabreicht bekam, dazu starke Schmerzmittel, um das irgendwie auszuhalten. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, wie atmen ohne Schmerzen. Und zu diesem nahezu unerträglichen Schmerz sollte ich noch zusätzlich Wehenschmerz aushalten?! Die Ärzte sagten mir, sobald das Baby da wäre, wäre der Schmerz weg – logisch, kein Druck mehr auf die Niere und alles wird gut. Alles in mir sagte mir, eins nach dem Anderen. Ich war nun dermaßen weit über den Termin, dass sich irgendwas in mir entwickelte – Willenskraft, Zubeißen -, und ich einfach keinen Kaiserschnitt wollte, und ich irgendwoher eine Kraft entwickelte, die mir ermöglichte, das alles durchzuziehen. Mein Gefühl sagte mir: erst das mit der Niere in den Griff bekommen, dann Kind bekommen, selbst bei ET+x. Kaiserschnitt … mein kleines neugeborenes Baby bei einer Hebamme oder jemand Fremden, während ich noch in Narkose … NEIN! NEIN! NEIN! Zumal ich es so dermaßen weit geschafft hatte: das Myom hatte sich in Luft aufgelöst, Kind hatte sämtliche Lageanomalien durch, und sich zum Schluss dennoch in die richtige Startposition begeben und und und. Nein, JETZT kam für mich definitiv kein Kaiserschnitt mehr in Frage. Aber was dann?! Es tat sich ja in mir schlicht und einfach NICHTS.

Tja nun … am 10.11. frühmorgens ging der Schleimpropf ab. Da stand ich das zweite Mal auf dem OP-Plan für einen Kaiserschnitt, unter der Option, dass wenn sich was täte, die OP jederzeit abgesagt werden konnte. Also … nach wie vor keine wirksamen Wehen, aber immerhin Schleimpfropf ab, Kaiserschnitt ein letztes Mal vertagt. Neu angesetzt: 11.8. gleich 8 Uhr früh – ich tat den Ärzten einfach nur noch leid, deshalb gleich der erste Termin am Morgen.

Am selben Abend hatte ich arge Schmerzen auf der linken Seite – wie gehabt. Da ich nicht wusste, wie ein- oder ausatmen, und wie überhaupt noch sitzen, stehen oder liegen mit der Niere, ließ ich mir von der Nachtschwester nochmal Paracetamol intravenös geben, in den blöden Zugang auf dem Handrücken. Ich wertete das als Nierenschmerzen in Kombination mit der Aufregung vor der bevorstehenden Operation am nächsten Morgen. Klar – wenn eine solche OP medizinisch notwendig ist, dann ist sie das. Punkt, fertig aus. Dann ist das so, ohne Wenn und Aber. Andere Frauen wählen Kaiserschnitt aus Angst vor dem Geburtsschmerz, ich hatte panische Angst vor Kaiserschnitt, Narbe, aufschneiden, Narkose, längere Schmerzen als nach einer normalen Geburt etc etc.

Am 11. August wachte ich auf vor Schmerz. Der gleiche Schmerz wie am Abend zuvor, und ich wusste, dass das keine Nierenschmerzen mehr waren, sondern Wehen. So ging ich noch einmal zur Nachtschwester, die mich prompt in den Kreißsaal schickte. Am CTG waren nun deutlich Wehen in sehr regelmäßigen Abständen zu erkennen. Eine meiner Lieblingshebammen sagte sofort den Kaiserschnitt ab, und schickte mich – frühmorgens um 5.30 Uhr – noch eine Dreiviertelstunde laufen, so gut es eben ginge, um die Wehen das letzte Mal anzustupsen. Da ich so ein enormes Bedürfnis nach Frischluft hatte, ging ich nach draußen, wo sich grade die Nachtschicht auf den Heimweg machte, und die Frühschicht im Kommen war. Die Leute starrten mich an, wie ich da durch den Nieselregen mehr kroch als lief und mich alle 10 Meter hinsetzten zum Durchatmen, aber ich war stolz auf jede einzelne Wehe.

Zurück im Kreißsaal wurde dann nochmals CTG geschrieben, der Befund für den Muttermund war inzwischen geburtsreif. Dann ging alles ganz schnell. Die Geburt von meinem kleinen Beelzebebi stellte alles bisher Dagewesene komplett in den Schatten. Das Schönste Erlebnis, das ich jemals hatte. Beelzebebi, und dann ganz lang nichts. Fridolin’s Geburt, das davor und danach war nicht wirklich das, was man als ‚schön‘ bezeichnen kann. Im Gegenteil. Ein Großteil meiner Angst im Vorfeld von Beelzebebi’s Geburt liegt in den blöden Erlebnissen von Fridolin’s Entbindung begründet. Die Geburt von meinem kleinen Löwenbaby war schnell, unkompliziert, schmerzfrei und einfach nur Wahnsinn!

Die Tage nach der Entbindung im Krankenhaus empfand ich als recht stressig. Stillen konnte nicht so wirklich funktionieren, wenn sie oder ich ständig zu irgendwelchen Untersuchungen mussten, genau dann, wenn eigentlich Stillzeit war. Am zweiten Tag entwickelte sie eine Neugeborenen-Gelbsucht, die aber glücklicherweise nicht behandelt werden musste, wir blieben lediglich zur Beobachtung einen Tag länger im Krankenhaus als geplant.

In der Zeit bekamen wir auch ganz viel lieben Besuch – Menschen, die mein Baby willkommen heißen wollten auf der Welt!

Sonntag, 3. August 2014

Wir Psychos!

Und ich ... habe mich vermutlich viel zu lange selbst blockiert durch
- die Email meiner Mutter, wann sie keine Zeit hat, wann sie nicht da sein wird, wann sie sonst was mit wem auch immer unternimmt
- und die Ansagen anderer - wichtiger? - Menschen, wer wann leider leider nicht da ist, und
- ich soll doch bitte an dem Termin nicht und sowieso und überhaupt.

Witzig gemeint wahrscheinlich.
Und vielleicht auch ehrlich, weil sich ja viele Menschen auf Beelzebebi freuen.

Ich habe mich unbewusst damit blockiert, weil die Situation nun mal eine andere ist, wenn es zu dem Kind wie bei mir keinen Papa gibt, der bedingungslos da ist, weil er sich auf sein Kind freut. Kein Gejammer, rationales Feststellen von Tatsachen. Dadurch dachte ich irgendwie die ganze Zeit, dass ich mein Beelzebebi dann bekommen muss, wenn irgendjemand für mich da ist. Was muss ich? Gar nichts muss ich. Ich muss mein Baby dann bekommen, wenn es für uns passt. Baby, Fridolin und ich. Niemand sonst.

Ich kann doch nicht später meinem Kind mal allen Ernstes erzählen, dass es zu diesem oder jenem Zeitpunkt Geburtstag hat, weil dieser oder jene Verwandte vorher oder hinterher im Urlaub war oder sonstwas zu tun hatte?! So auf die Art, "setzen wir uns zusammen und schauen, wann du dein Kind bekommst". So kommt mir das bisweilen tatsächlich vor.

Das wiederum rechne ich Fred allerhöchst an ... . Er ist während all der Zeit der einzige Mensch von allen, der nie und zu keinem Zeitpunkt Druck gemacht hat. Der in den Ferien keinen Urlaub gebucht hat, um mit Fridolin wegzufahren. Könnte er jederzeit tun. Mit Beelzebebi hat er theoretisch nichts zu tun - außer dass er der gesetzliche Vater ist. Er bleibt hier und ist für Fridolin da, und sorgt dafür, dass Fridolin bei seinem neuen Geschwisterchen sein kann, das ihm so wichtig ist und und und. Stillschweigend tut er einfach, wo andere (allen voran Frida) bis jetzt nur geredet haben. Bei all meinem Geläster über ihn.

Das T-Shirt, das ich ihm neulich geschenkt habe zum Dank und als Anerkennung für seine menschliche Größe, die er definitiv zeigt, und weil er sonst nur kaputte Klamotten hat, trägt er nun. Dieses, und kein anderes. Bis in alle Ewigkeit. ;)

Sollte ich jemals eine Biographie schreiben, wird sie den Titel "Wir Psychos" tragen.

Zack, fertig!

So nun ... Fred ist heute mit Fridolin zum 18. Geburtstag bei seiner Nichte eingeladen.
Ob er da hingehen soll?! Was er machen soll?
Tja nun, Fred. Wie viele andere auch ... nicht meine Entscheidung. Ich werde mich hüten, dir zu sagen, was du tun oder nicht tun sollst. Schon alleine diese deine Formulierung.
Ich werde sowas von garantiert nicht entscheiden, ob du, als mein Nochmann und Ex (aber guter Freund) zur Geburtstagsfeier deiner Nichte gehst oder nicht! Keine weitere Diskussion.
Ich bin nicht deine Mama. Du bist alt genug, und wirst wohl mal klar kommen, mit einer falschen Entscheidung - so sie sich denn als falsch entpuppt. Mann, Mann, Mann!
Ich werde auch nicht zulassen, dass Entscheidungen auf Fridolin abgewälzt werden, die deine sind. Ob er mitgeht oder nicht, entscheiden wir respektive du. Nicht das 7-jährige Kind!
Ein 7-jähriges Kind kann entscheiden, ob es Spaghetti oder Rigatoni zu Mittag gibt, oder ob es sich die Lego-Arktis-Station von seinem Geburtstagsgeld kauft, oder irgendwas von Lego Technic. Aber ein 7-jähriges Kind entscheidet weder, ob es zur Geburtstagsfeier eines Verwandten mitgeht oder nicht (eigentlich selbstverständlich, dass es das tut), noch wo der Familienurlaub hingeht. Schon gleich gar nicht mit dem Hintergrund, dass diejenigen, die eigentlich entscheiden sollten - in dem Fall Fred, schlicht und einfach ... . Orrrr!

Nun ja, ich betrachte diese Entscheidungsunfähigkeit als Teil von Fred's Depression. Dazu kommt noch, dass er selbst bei der Entscheidung, ob er und/oder Fridolin zu diesem Geburtstag gehen oder nicht (eine Entscheidung, die eigentlich in diesem Fall nicht mal eine ist) seine Emotionen irgendwie nicht regulieren kann. Er hat ständig und permanent Tränen in den Augen.

Die Sache, die nur mit Fred zu tun hat, ist das Eine. Man muss aber auch sehen, welche Auswirkungen es auf ein Kind hat, wenn derjenige, der Entscheidungen treffen muss, die Verantwortung für diese Dinge auf ein Kind abwälzt. Zum Einen ist ein kleines Kind mit sowas logischerweise überfordert, wenn es ständig abwägen soll, was für wen am Besten ist. Die Konsequenzen für eine Kinderseele - nicht gut. Oder aber das hat noch in eine ganz andere Richtung eine verheerende Wirkung: ein Kind, das alles entscheiden darf, entscheidet sich irgendwann schlicht und einfach für die Dinge, die ihm am Besten in den Kram passen, und tanzt dem Vater eben dementsprechend früher oder später auf dem Kopf rum.

Dann wieder, wenn ich Fred auf das anspreche, behandelt er Fridolin wie einen Dreijährigen, sagt ihm "atme ein, atme aus, linker Fuß vor rechter Fuß, sabber nicht, klecks dich nicht voll, tu dies, tu jenes bli bla blubb" und schwallt das arme Kind tot. Es kann gar keine falsche Entscheidung treffen können, weil Fred vorher schon ausschließt, dass jemals ein Fehler geschehen wird, den Fridolin begeht. Kinder müssen doch auch mal lernen aus der Reaktion, die sie durch falsche Entscheidungen hervorrufen!! Meine Güte, dann fragt Fridolin eben nach Zeugnisgeld! Sein gutes Recht! Dann lernt er aus der Reaktion der Leute eben entsprechend, dass das vielleicht zu aufdringlich war auf diese oder jene Weise.

Dann wieder Fred: "Erst sagst du, ich soll nicht so streng sein, dann soll ich nicht zu lieb sein!" Mittelmaß, Fred. Ein gesundes Mittelmaß. Nichts weiter. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass man ein dreijähriges Kind nicht zur Sau machen braucht, einem 7-jährigen aufmüpfigen Kerl aber schon mal die Meinung geigen/Konsequenzen aufzeigen muss. Und zwar nicht in der von dir so gerne verwendeten Dutzi-Dutzi-Dada-Sprache, aber auch nicht wie einem 40-jährigen Arbeitskollegen. Und ohne Tränen in den Augen. Bitte. Danke.

Und ja, ich möchte Fred liebend gerne helfen. Irgendwie. Ich sehe ja, dass es ihm zur Zeit nicht wirklich gut geht mit alledem. Ein Depressions-Rückfall. Ging schon mal deutlich besser alles. Aber nein, er hat ja keine Depression. Alles völlig normal. Sowas von nicht normal, sich in seiner Persönlichkeit dermaßen unsicher zu sein. Er braucht ja jetzt nun kein Egomane zu sein. Aber eben ... mehr Selbstsicherheit. Das hier ist an Selbstunsicherheit und "Devot-Sein" ja kaum mehr zu untertreffen. Quasi.

Welche Konsequenzen das langfristig für mich hat ... ich lasse mich hier nie! wieder! (den Fehler habe ich einmal gemacht, aus Liebe? eigener Hilflosigkeit? was auch immer) zur Domina degradieren, um mir hinterher genau das reinwürgen zu lassen. Nie! Wieder! Meine Entscheidungen treffe ich - liebend gerne! Für mich! Und für Fridolin. Aber es gibt Dinge, die ich nicht mehr im Traum entscheiden werde. Was Fred machen soll oder nicht. Umgedreht macht all dieses es mir unmöglich, mal selbst schwach zu sein, wenn ich mal schwach bin, oder mich mal fallen zu lassen, weil ich an meine Grenzen gestoßen oder weit darüber hinaus gegangen bin.

So, nach ewigem Heckmeck - ich habe entschieden, dass es Fred's Entscheidung ist, Fred hat sich dazu durchgerungen, zu entscheiden, dass er mit Fridolin hingeht bis nach dem Mittagessen und danach wieder her kommt - habe ich nun endlich mal ein paar Stunden frei zum Durchatmen!
Letzte Dinge erledigen, bevor es morgen losgeht zum Beelzebebi-Kriegen, meinen Rest-Plan abarbeiten. Zur Ruhe kommen.

Weiter geht's mit meinem Kram!

Entschiedene Entschlossenheit!

So, nach Tagen voller Hoffnung, Wut, Verzweiflung, Enttäuschung und extremem Gefühls-Auf-und-Ab habe ich mich nun entschieden, wie ich vorgehen möchte.

Da ich mit Beelzebebi ja nun über den Termin bin, muss ich nun alle zwei Tage zur Vorsorge - nachgucken lassen, ob die Herztöne passen, Nabelschnurdurchblutung, genug Fruchtwasser etc. Immer im Hinterkopf das Drama, das ich beim Beelzebub durchleben musste. Völlig sinnlos. Völlig ausgeliefert.

Bei Beelzebubi war der Termin auch sehr weit überschritten, es stellten sich einfach keine Wehen ein. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass das so nicht gut ist. So entschied ich mich nach 25 Tagen über Termin - gegen den ausdrücklichen Rat der Ärzte - für eine Einleitung. Ich fühlte mich wie die letzte Zicke, nur weil ich dem Gefühl, das ich für meinen Körper hatte, neben dem Fachwissen der Ärzte und den Erfahrungen der Hebammen, auch einen gewissen Stellenwert beimaß. Eine gesunde Mischung aus allen drei Faktoren eben, kein Entweder Oder. Fridolin kam schließlich, nachdem die Geburt per Einleitung angestupst wurde. Das Kind war riesig, dementsprechend schwer ging alles vonstatten. Logisch. Kind hört ja nicht zu wachsen auf am ET. Punkt 1, den man mir hätte ersparen können. Weitere Details erspare ich euch. So, dann war er riesig und trank von Anfang an etwa die doppelte (!) Menge, die ein normales Neugeborenes trinkt, deshalb wurde er mir gleich kurz nach der Geburt entrissen - ja, so sehe ich das! - und für die nächsten Wochen mit Kanülen in Köpfchen und Handrücken auf die Säuglingsstation gebracht. Verdacht auf Diabetes. Ein Verdacht, der sich niemals im Ansatz bestätigt hat. Aber ist ja nur logisch, dass ein gesundes Baby viel trinkt und groß ist - er war ja quasi schon drei Wochen alt, als er auf die Welt kam. Der Augenblick, in dem die Schwester auf der Station mir mein Baby noch dazu auf wenig sensible Weise wegnahm - für mich einer der bis dato schlimmsten Augenblicke meines Lebens. Die folgenden Wochen fand man wieder und wieder Gründe, dass Fridolin noch weiter unter Beobachtung auf Station bleiben muss. - Für mich alles nur Vorwände. Einmal ein Krankenhauskeim, mit dem er sich infiziert hatte (Noro), einmal trank er den Ärzten zu wenig (!). Immer hieß es "morgen dürfen Sie ihn mitnehmen", woraufhin wir mit MaxiCosi und voller Montur anrückten - und abends wie geprügelte Hunde von dannen schlichen in unsere Ferienwohnung - wir waren an meinem ursprünglichen Entbindungstermin obdachlos geworden, durch einen Wasserschaden in der Wohnung über uns, und lebten die ersten Wochen und Monate mit dem neugeborenen Fridolin in einer Ferienwohnung.
Dadurch dass Fridolin so groß war, brauchte ich eben lange, um mich zu erholen. Ich schleppte mich meist mit letzten Kräften durch den riesigen Krankenhauskomplex von meiner Station nach unten, selbst nachts zum Stillen, wenn die Schwestern mich anriefen, und bewegte mich dann von früh bis spät nicht mehr von seinem Bettchen weg. Einen Tag konnte ich mich schmerzbedingt überhaupt nicht aus dem Bett bewegen - das war der schlimmste Tag von allen. Der Arzt meinte nur gefühlskalt "Dann bleiben Sie halt in Ihrem Bett liegen." Ein Tag der Tränen, an dem ich mein Baby gar nicht sehen konnte, weil's eben nicht ging. Brutal.
Und schließlich ... Fridolin's Zimmer war das Letzte im Flur, ganz hinten - groß, sonnendurchflutet, er durfte zum Glück am Fenster liegen. Aber: genau an seinem Bettchen gab es eine dicke Beton-Säule mit Bildern, Fotos, Danksagungen - allesamt Todesanzeigen von Neugeborenen. "Danke an die Ärzte, auch wenn unsere kleine Maus es nicht geschafft hat." Fridolin schlief, von Medikamenten sediert, viel, was mir alle Zeit der Welt gab, diese traurigen Anzeigen wieder und wieder und wieder zu lesen ... . Puh. Und noch so vieles mehr, was ich hier im 'bösen Internet' gar nicht veröffentlichen kann.

Naja, er ist ein prima Junge geworden, absolut liebenswürdig, gesund, intelligent ... der beste große Bruder, den sich mein Beelzebebi wünschen kann. Aber der Schmerz von damals ist nicht vergessen, die wahnsinnige Angst vor einer Wiederholung dieses Ganzen, gepaart mit 100 Sprüchen, die irgendwas mit Geduld beinhalteten. Dabei hat das alles doch gar nix mit Ungeduld zu tun, sondern mit Angst. Schlicht und einfach. Angst ist nicht gleich Ungeduld. Aber diese Situation, gepaart mit dem, was hier die letzten Monate passiert ist, seit ich schwanger bin, lässt mich eben äußerst dünnhäutig werden.

Nun ... gestern musste ich dann zur Vorsorgeuntersuchung ins Krankenhaus. Die Nerven angespannt ohne Ende, Stimmung irgendwas zwischen Axtmörder und Beelze the Ripper. Dementsprechend genügten im Prinzip kleinste Kleinigkeiten, um mich innerlich in die Luft gehen zu lassen. Mal ganz abgesehen davon, dass es mich ganz schön viel Kraft kostete, aufgrund meiner eigenen inneren Anspannung niemandem ins Gesicht zu springen - die armen Leute können ja nix dafür.

So: ich hatte lange darum gekämpft, dass mein ureigenstes Körpergefühl einen Wert bekommt, und eben nicht übergangen wird, wie so oft. Gestern traf ich das erste Mal auf eine Ärztin, die mich tatsächlich ernstnahm. Ohne "ja aber". Sondern "das ist Ihr Gefühl" - fertig! Diskussionslos. Nun habe ich einen Freibrief, die Geburt vom Beelzebebi einleiten zu lassen, wann immer mein Gefühl dafür richtig ist. Ohne "das Baby entscheidet", und kein einziger Spruch von wegen "Ungeduld", oder ich solle mich "nicht so haben". Ja, ich bekomme ein Kind. Aber neben meiner Eigenschaft als Gebärmaschine bin ich auch immernoch ein Mensch.

So, die Nacht habe ich über meine so ungewohnt einfach gewonnene Freiheit geschlafen - tatsächlich - und für mich entschieden, dass ich mir heute eine Plan mache, was allerletzte zu erledigende Arbeiten angeht, diesen abarbeite, und morgen ins Krankenhaus gehen werde. Zack, fertig!

Hab dich lieb, Beelzebebi! Unendlich. Auch wenn ich alleine bin. Stark wie zwei.